Sonntag, 19. Oktober 2014

Langzeitarbeitslosigkeit mit Psychopille zu heilen - der Wahnsinn des heutigen Tages

       Wie Jörg Blech im ´´Spiegel´´ (Nr. 41/6.10.2014) berichtet, werden öfters Langzeitarbeitslose als psychisch gestört eingestuft. Denen werden vom Artzt Psychopharmaka vorgeschrieben, was im Endeffekt ihre Probleme vertieft, statt sie zu heilen.
         ´Im Vergleich zu Erwerbstätigen haben Arbeitslose eine zweimal höhere Wahrscheinlichkeit, als klinisch depressiv eingestuft zu werden´, so Blech. Es ist noch immer einfacher für die Beamten und Ärtzte nach einem Grund zu suchen, das wissenschaftliche Grundlagen hat, statt sich mit der Sozialen Lage einen Arbeitslosen auseinander zu setzen. In wie Fern solche Einstellung zu dem Wissen über die Grundlagen der Arbeitslosigkeit beiträgt, weißt niemand, und niemand will es tatsächlich herausfinden, schließlich ist es viel unkomplizierter, jemand als seelisch krank einzustufen, weil wir dagegen ein Mittel haben, das angeblich wirkt – die Psychopharmaka.
           ´Egal, ob Depression, Angststörung oder körperliche Beschwerden ohne organisch fassbaren Befund – den Akten zufolge hatten 87 Prozent der Arbeitslosen mindestens eine psychiatrische Diagnose´. Man ist nicht arbeitslos, weil es Probleme gibt, sondern bloß krank. Wobei der wirkliche Zusammenhang zwischen den beiden Tatsachen verschwiegen wird und bleibt unbemerkt.
       ´In Wahrheit waren die allermeisten der Arbeitslosen gesund genug, um wieder arbeiten zu können´ - hier steckt die wesentliche Frage: ab wann können die Behörden feststellen, dass jemand arbeitsunfähig ist? Bedeutet tatsächlich eine Angststörung, dass man mit einem beruflich ´nichts anfangen kann´? Wenn wir alle Bürokräfte oder Krankenschwestern psychiatrisch untersucht hätten, würden wir bestimmt irgendwelche Berufsbedingte Krankheit feststellen, sollen sie aber deswegen für immer schon zuhause Bleiben, wo sich die Probleme nur weiterbilden werden?
   Weiterhin berichtet Blech, dass die Prozedur, die von den Medizinischen Mitarbeiter der Krankenversicherung sowie Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit haben die Arbeitslosen mit Teilweise widersprüchlichen Expertisen ins Wahnsinn getrieben. So ein Langzeitarbeitslose, ohne Aussichten auf einen Job (was ihm eigentlich am meisten helfen würde), muss jetzt auch mit der Überzeugung leben, dass er noch dazu krank ist und eigentlich weißt man nicht so genau, was man mit ihm machen sollte, damit er sich im Endeffekt noch machtloser fühlt.


              In dem ganzen Wahnsinn stellt sich nur die Frage: Wann werden wir endlich humanitär genug, um in diesem Problem den Menschen zu erkennen und die Behörden das verstehen werden, dass letztlich sind sie dazu da, den Menschen zu unterstützen, weil sie auch dank dem Menschen leben? Es ist immer einfacher jemanden einzustufen, als ihn zu verstehen. Wie sich das in der Wirtschaft widerspiegelt, ist eine andere Frage. Schade nur, dass es wie immer am Dialog fehlt.

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